Führt zu viel Trainingsdaten dazu, dass Triathleten übertrainieren? Was Trainer wirklich denken
Moderne Triathleten erfassen mehr Daten als je zuvor, darunter Watt, Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität (HRV), Laktatwerte, Blutzucker, Schlafqualität und vieles mehr. Die Liste wird mit jeder Saison länger. Sensoren sind leichter, günstiger und präziser geworden und versprechen intelligenteres Training und bessere Leistungen.

Mit zunehmender Datenmenge stellt sich vielen Athleten und Trainern eine zentrale Frage: Hilft all diese Datenmenge Mehrsportlern dabei, effektiver zu trainieren, oder führt sie zu Übertraining?
Hier erklären Experten die wichtigsten Hilfsmittel, die Triathleten heutzutage nutzen. Sie erörtern, wann Daten hilfreich sind, wann sie überfordernd wirken können und wer am meisten von den einzelnen Messungen profitiert.
Das wichtigste Datenerfassungsinstrument für Triathleten
Trotz der rasanten Verbreitung von Wearables betonen Spitzentrainer weiterhin eine grundlegende Wahrheit:
„Das beste Messinstrument, das ein Triathlet hat, ist das Bewusstsein – das Verständnis dafür, wie sich das Training anfühlen sollte.“
— Dr. Stephen Seiler, Ausdauerphysiologe
Daten sind wichtig, aber sie helfen uns nur, wenn wir sie richtig interpretieren. Ohne Berücksichtigung von Faktoren wie Müdigkeit, Stress, Temperatur, Schlaf und Ernährung können Zahlen eher verwirrend als hilfreich sein.
Bevor wir uns in Wearables, Sensoren und Apps verlieren, sollten wir uns daran erinnern, dass Sportler schon immer ein eingebautes Messinstrument hatten: ihr eigenes Anstrengungsempfinden.
Die Frage ist also nicht, ob Daten gut oder schlecht sind. Sondern ob Triathleten die richtigen Daten zum richtigen Zeitpunkt verwenden.
Wann Daten helfen – und wann sie schaden
- Datenüberlastung kann kontraproduktiv seinEs warnt davor, dass zu viele Daten sowohl Athleten als auch Trainer verwirren können. Trainer müssen klare Ziele setzen und den Athleten zunächst kennenlernen. Daten sollten die Beurteilung unterstützen, nicht ersetzen.
- Verwenden Sie weniger, aber aussagekräftige Kennzahlen.Manchmal sind weniger, dafür aber verlässliche Daten viel besser, als Zahlen nur um ihrer selbst willen zu sammeln. Der unsachgemäße Umgang mit Daten kann mehr schaden als nutzen.
- Athleten reagieren unterschiedlich:
- Ein erfahrener Profi blühte auf, indem er alles erfasste – Laktat, HRV, Herzfrequenz und Leistung – und die Messwerte mit seinem Befinden kombinierte, um sicherzustellen, dass er auf dem richtigen Weg war.
- Eine Olympiasiegerin hatte mit einer Datenflut zu kämpfen; die Vereinfachung auf Herzfrequenz plus tägliches Feedback funktionierte besser und reduzierte den Stress.
- Daten können Disziplin fördern oder Probleme verursachen.Darin wird darauf hingewiesen, dass Leistungsmesser einigen Athleten geholfen haben, ehrlich und diszipliniert zu bleiben, während zwanghaftes Ernährungstracking andere zu Gewichtsreduktionen in letzter Minute und schlechten Leistungen veranlasste.
Herzfrequenzmesser vs. RPE und mehr
1. Herzfrequenzmonitore
Warum es wichtig istDie Herzfrequenz ist das am einfachsten zugängliche Maß für die innere Belastung. Sie zeigt, wie stark der Körper im Verhältnis zur äußeren Arbeit beansprucht wird.
Am besten geeignet für: Jeder Athlet, vom Anfänger bis zum Olympioniken. Brustgurte sind der Goldstandard. Armbänder sind akzeptabel. Herzfrequenzmessung am Handgelenk? Oft zu ungenau.

Einblicke des Trainers: Herzfrequenztraining ist heutzutage ein oft unterschätztes Trainingsinstrument. Achten Sie auf eine Entkopplung (wenn die Herzfrequenz im Verhältnis zu Leistung/Tempo ansteigt), um Anzeichen von Ermüdung oder Energiemangel zu erkennen. Die Herzfrequenz wird dabei oft als „Drehzahlmesser“ bezeichnet. Sie zeigt Ihnen die Belastung Ihres Körpers an – ob Sie am Limit arbeiten oder komfortabel unterwegs sind.
2. RPE/Protokollierung Ihres Körpergefühls
Warum es wichtig istDie einfachste und günstigste Messgröße überhaupt – das subjektive Empfinden. Korreliert stark mit der objektiven Arbeitsbelastung in der Forschung.
Am besten geeignet für: Jeder, und insbesondere diejenigen, die unter wechselnden Bedingungen reisen oder trainieren.
Einblicke des Trainers: Viele Trainer verlangen von ihren Athleten, sowohl Daten als auch subjektive Einschätzungen einzureichen: „Wenn die Daten sagen, dass du erholt bist, deine Beine aber etwas anderes sagen, vertraue deinen Beinen.“ Die Kombination aus subjektiver Belastungseinschätzung (RPE) und Herzfrequenz (HF) ist eine der aussagekräftigsten im Ausdauertraining.
3. Stromzähler
Warum es wichtig istDie Leistung ist der Goldstandard für die Messung externer Belastung. Im Gegensatz zur Herzfrequenz ist die Leistung konstant. Sie ermöglicht eine präzise Intensitätskontrolle und ist für die Renneinteilung beim Radfahren unerlässlich, insbesondere im Triathlon, wo ein frühzeitiger Leistungsabfall sowohl die Rad- als auch die Laufleistung beeinträchtigt.
Am besten geeignet für: Athleten, die Langdistanz-Triathlon ohne Windschattenfahren betreiben, alle, die dazu neigen, „bei jeder Fahrt Vollgas zu geben“.

Einblicke des TrainersEin Leistungsmesser zeigt dir, wie intensiv du trainiert hast, aber er sagt dir nicht, ob es die richtige Entscheidung war. Er hilft Sportlern, während des Trainings und Wettkampfs konzentriert zu bleiben. Die Verwendung eines Leistungsmessers hilft Menschen, sich zu entspannen und ihren Trainingsplan einzuhalten.
4. Herzfrequenzvariabilität (HRV)
Warum es wichtig istDie Herzfrequenzvariabilität (HRV) analysiert das Gleichgewicht des autonomen Nervensystems. Eine höhere HRV bedeutet in der Regel eine bessere Erholung und Anpassung. Die HRV ist wissenschaftlich gut belegt. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2019 bestätigte dies. Sportmedizin fanden heraus, dass HRV-gesteuertes Training die Ausdauerleistung stärker verbesserte als festgelegte Trainingspläne.
Am besten geeignet für: Athleten, die einen Schritt zurücktreten und sich umschauen können Trends eher als alltägliche Veränderungen.
Einblicke des TrainersTrainer warnen davor, zu viel in die Interpretation hineinzuinterpretieren täglich HRV. Ein einzelner Tag mit schlechter HRV bedeutet nicht, dass Sie übertrainiert sind. HRV ist ein Trendtool, kein Entscheidungsträger.
5. Laktatmessgeräte
Warum es wichtig istBietet Einblicke in die Stoffwechselreaktion und den Energiestatus, insbesondere in Kombination mit Leistung/Herzfrequenz.
Am besten geeignet für: Profis und ambitionierte Altersklassenathleten mit Zugang zu kontrollierten Protokollen.
Einblicke des TrainersLaktatmessgeräte sind zwar leistungsstark, aber für die meisten Triathleten unpraktisch. Die Messungen müssen korrekt und regelmäßig durchgeführt werden. Trainer warnen zudem vor zu häufigen Messungen. Laktatwerte dienen als Orientierungshilfe, nicht als täglicher Geschwindigkeitsmesser.
6. Glukosemonitore
Warum es wichtig ist:
Kontinuierliche Glukosemessgeräte (CGM) helfen, den Blutzuckerspiegel in Echtzeit zu überwachen und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei Ausdauersportlern. Sie können Essmuster aufzeigen und helfen, einen Leistungseinbruch (Hungerast) zu vermeiden. Einige Studien deuten darauf hin, dass ein stabiler Glukosespiegel mit einer besseren Leistungsfähigkeit zusammenhängen könnte, die Forschung zur Anwendung von CGM bei gesunden Sportlern befindet sich jedoch noch im Aufbau.
Am besten geeignet für: Kurzzeitige Ernährungsexperimente (e.g(Test einer neuen Kohlenhydratstrategie).
Einblicke des TrainersSie messen nicht die arbeitende Muskulatur, sondern das Gewebe in der Nähe eines nicht arbeitenden Muskels und wenden dann Algorithmen an. Algorithmen übereinander – das entfernt uns weit von den eigentlichen Daten.
Also… Übertraining bei Triathleten aufgrund von Daten?
In vielen Fällen: Ja.
Experten stellen immer wieder fest, dass Triathleten – insbesondere solche mit einem ausgeprägten Leistungsdruck – eher ihren Zahlen hinterherjagen, als auf ihren Körper zu hören. Dies kann zu Folgendem führen:
- Anhaltende Müdigkeit
- Verminderte Motivation
- „Grauzonen“-Training
- Schlechte Renntaktik
- Höheres Krankheitsrisiko
- Angst und Stress
Dr. Seiler fasste Ausdauertraining bekanntlich folgendermaßen zusammen: „Daten sind der Kompass. Gefühl ist das Lenkrad.“ Die stärksten Athleten nutzen beides.


